• Update: Thu, Apr 27, 2000
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    FRATERNITÄT
    ZUR ANIMATION
    UND AUSBILDUNG
    DER BRÜDER FÜR DIE
    MISSIONSPROJEKTE DES ORDENS

    Prot. n. 089523

    Rom, am 24. April 2000

    Liebe Brüder!

    Der Herr gebe euch den Frieden!

    In der Freude der Osterzeit wende ich mich erneut an euch alle, um euch einige Überlegungen für ein Projekt mitzuteilen, welches dem Generaldefinitorium dringend und notwendig erschien, damit unsere weltweite Bruderschaft wachsen kann.

    Das "Hinausgehen in die ganze Welt" stellt einen integrierenden Teil der evangelisch-franziskanischen Berufung dar: wir sind "gerufen", um "gesandt" zu werden.

    Noch heute ist die Verfügbarkeit für die Verkündigung des Evangeliums auch jenseits der Grenzen unseres Landes, unserer Heimat und unserer kulturellen Umgebung ein sicheres Zeichen für die Treue gegenüber dem Ruf, den wir erhielten. Die heutige Welt stellt uns vor große, neue Herausforderungen, auf die wir antworten müssen, wenn wir unserer Berufung treu bleiben wollen. In diese Richtung ist unser Orden in den vergangenen Jahren mit der Erfindung und der Verwirklichung missionarischer Projekte, die von interkulturellen und internationalen Fraternitäten realisiert werden, gegangen. Sie sind bereits in zahlreichen Ländern Afrikas, Asiens, in Russland, in Kasachstan präsent...

    Um den Weg, den wir bis jetzt gegangen sind, fortzusetzen, und um die spezifischen Anforderungen zu bewältigen, welche auf der Grundlage der gemachten Erfahrungen gereift sind, schien es mir und dem Generaldefinitorium dringend notwendig, die Errichtung einer neuen internationalen Fraternität vorzuschlagen. Diese wird ihren Sitz in Brüssel haben mit der Hauptaufgabe, Missionare für die bereits vorbereiteten Projekte oder für andere neue Formen der Evangelisierung in allen Kontinenten vorzubereiten.

    Wir ihr den folgenden Ausführungen entnehmen könnt, handelt es sich um ein Pilotprojekt, "ad experimentum", welches wir mit einigen Freiwilligen beginnen und dessen weitere Entwicklung wir dann dem Hl. Geist überlassen wollen. Diese Fraternität mit ihren besonderen Charakteristiken, könnte auch eine Anregung für jede Konferenz, für jede Entität und für jeden Bruder darstellen, die eigene Berufung in einer universalen Dimension, im Hinblick auf die "ganze Welt" zu überdenken.

    Das Jubiläumsjahr, welches wir am Beginn des neuen Jahrtausends erleben, das wir anders und kreativer wünschen, scheint uns eine günstige Gelegenheit zu bieten: es handelt sich um einen Kairos, welcher uns vom Erbarmen des Herrn geboten wird, um der franziskanischen Lebensform neue Kraft zu geben, ihre missionarische Dimension erneut zu beleben und unserer Geschichte treu zu bleiben. Wir dürfen uns nicht von der Angst beherrschen lassen: Die Strukturen, welche zu erhalten sind, oder die sich verringernde Zahl der Brüder dürfen unsere missionarische Großzügigkeit nicht begrenzen.

    Das Generalkapitel von Assisi 1997 erinnerte: "Wir laden alle Provinzen des Ordens ein, nicht nur für das Teilen der materiellen Güter sensibel zu sein, sondern vor allem für den Austausch der Personen und der Kulturen, um die Realität einer universalen Bruderschaft zu unterstreichen" (Von der Erinnerung zur Prophetie, 40) . Ich bin überzeugt, dass gerade Franziskus heute von uns mehr Mut und Entschlossenheit verlangt, um gemeinsam mit mehr Großzügigkeit und Fantasie den Weg auf den Straßen der Welt wieder aufzunehmen.

    Ein neues Herz, Gabe des Geistes, wird uns auf neue Formen der Evangelisierung hinlenken, in denen neue Strukturen geschaffen werden, die dem Dialog mit den Männern und den Frauen von heute eher entsprechen. Sehr zahlreiche Brüder, junge und weniger junge, erwarten heute konkrete Zeichen, um ihre "evangelischen Träume" zu hegen und mit Enthusiasmus und neuer Frische des Geistes ihre Berufung zu leben.

    In brüderlicher Verbundenheit


    Fr. Giacomo Bini, OFM
    Generalminister


    Vorschlag für eine Fraternität
    zur Animation und Ausbildung
    der Brüder für die Missionsprojekte
    des Ordens in allen Kontinenten

    «..Denn dazu hat er (der Herr) euch in alle Welt gesandt, dass ihr durch Wort und Werk seiner Stimme Zeugnis gebt und alle wissen lasst, dass niemand allmächtig ist außer ihm» (BrOrd, 9)

    Allgemeine Zielsetzung

    1. Die missionarische Dimension unserer franziskanischen Berufung wieder beleben.
    2. Für die missionarische Ausbildung der Brüder sorgen, damit sie sich berufen fühlen, in die Mission zu gehen, und für die Weiterbildung derjenigen, die sich bereits dort befinden.
    3. Die internationalen Missionsprojekte des Ordens in allen Kontinenten fördern und die Interkulturalität durch neue "Präsenzen" in der Welt stärken.
    4. Bei der Auswahl der Kandidaten für die Missionsprojekte behilflich sein.
    5. Die Möglichkeit einer Sabbatzeit jenen Brüdern anbieten, die bereits in den Missionsprojekten des Ordens beschäftigt sind.
    6. Orientierung und Ermutigung zu einer echten Inkulturation an den Orten, in die sich die Freiwilligen begeben werden, um zu leben und zu arbeiten.

    Ort und Zusammensetzung der internationalen Bruderschaft

    1. Ort: Brüssel (Belgien).
    2. Zusammensetzung: 3 oder 4 Feierlich-Professen, wenn möglich mit einer reichen Erfahrung in der Mission und in der Ausbildung.

    Charakteristiken und Verpflichtungen der ständigen Fraternität
    Man braucht eine Fraternität, die:

    1. Sich für das Zeugnis der franziskanischen Werte im täglichen Leben engagiert;
    2. International (interkulturell) ist;
    3. Zweisprachig, französisch und englisch, ist;
    4. In die Ortskirche eingebunden ist;
    5. Fähig ist, den Geist der missionarischen Projekte auf einfache und offene Weise zu leben.

    Vorbereitung der Missionare
    Die Zeit der Vorbereitung dauert normalerweise sechs Monate und sieht folgende Elemente vor:

      1.Unterscheidung und Begleitung in Bezug auf:
      • Die konkreten Bedürfnisse, welche aus dem Leben in einer missionarischen internationalen und interkulturellen Fraternität entstehen;
      • Vertiefung der interpersonalen Beziehungen (die Fraternität wird nie mehr sehr zahlreich sein);
      • Die Bereitschaft, dem Projekt der Bruderschaft vor persönlichen Projekten den Vorrang zu geben;
      • Die Fähigkeit, "Formen" und "Traditionen" der eigenen Kultur zu überwinden, um das Wesentliche des franziskanischen Charismas in einer anderen Kultur wiederzuentdecken und zu leben.

      Diese Unterscheidung und Begleitung verlangen:

      • Die Klärung der franziskanischen Berufung im Licht des missionarischen Geistes des Ordens, unter Berücksichtigung der Beweggründe und der Verfügbarkeit in der Zeit;
      • Die Öffnung für die Vorrangstellung des Lebens und des Zeugnisses der Fraternität als erste und wichtigste Form der Evangelisierung.
      • Die Sensibilität für die neuen Herausforderungen der Mission, um das Angesicht des "Aussätzigen" von heute zu entdecken (z.B.: Flüchtlinge, Drogenabhängige, AIDS - Kranke, Waisen, Witwen, Gefangene...).
    2.Ausbildung
      Ist artikuliert in:
      • spezielle Ausbildung, gemäß dem gewählten missionarischen Projekt;
      • Sabbat-Zeiten: Zeiten des "Aggiornamento" für die Brüder, die bereits in Missionsprojekten engagiert sind.

    Rechtslage

    1. Die ständige Bruderschaft wird rechtlich vom Generalminister abhängen, auch wenn der Bruder Mitglied seiner Heimatprovinz bleibt.
    2. Die Auswahl der Brüder in den unterschiedlichen Projekten wird vom Generalminister gemeinsam mit dem Generalsekretariat für missionarische Evangelisierung koordiniert, unter Berücksichtigung des frei ausgesprochenen Wunsches eines Bruders und der Notwendigkeit der verschiedenen Ordensprojekte.

    Teilnahmebedingungen für die Freiwilligen

    1. Feierliche Profess.
    2. Ausdrückliches Ansuchen von Seiten des Bruders.
    3. Positives Urteil über die Eignung von Seiten des Provinzialministers, gemäß der Regel, und seine Obödienz.
    4. Ausreichende Kenntnis der französischen oder der englischen Sprache, welche auch an Ort und Stelle vor der vollständigen Eingliederung in das Programm erworben werden kann.
    5. Möglichkeit, im Ausnahmefall, die theologischen Studien außerhalb der eigenen Provinz zu Ende zu führen.



    © Macmade on Thu, Apr 27, 2000 at 12:07:43 by John Abela ofm (Communications Office - Rome)
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