• Wednesday, May 26, 1999

  • Die Vertreibung eines Volkes
    Zur Lage der Kosovaren in Albanien

    • Albanien
    • Man nennt Albanien das `weiße Afrika EuropasA. In der Tat kann man den Eindruck gewinnen, daß Albanien mit manchen Ländern der sogenannten `Dritten WeltA zu ver-gleichen ist. Dem Besucher aus dem Westen bietet sich ein Bild der Unterentwicklung an. Die gesamte Infrastruktur scheint seit dem Niedergang der `roten DiktaturA ebenso in sich zusammengebrochen. Städte und Ortschaften machen einen sehr vernachlässigten Ein-druck. Überall stößt man auf Müllhalden, die zum Teil absichtlich in Brand gesetzt werden, um ihrer Herr zu werden. Der Zustand der Straßen ist in bewohntem Gebiet schlechter als auf dem freien Land. Sie gleichen eher Feldwegen, die dem stetig wachsenden Verkehr nicht mehr standhalten. Die Löcher im Asphalt sind so tief, daß man nur mühsam mit einem Wagen vorankommt. Schritttempo ist angesagt. Hier und da stehen stehen sie unter Wasser; nicht etwa weil es geregnet hat, sondern weil Wasserleitungen zerbrochen sind, was erklärt, daß in manchen Städten und Ortschaften nur stundenweise fließendes Wasser zu Verfügung steht. Autobahnen gibt es nicht. Für die Bewältigung einer Strecke von etwa 180 Kilometern - von Skutari bis Kukes z.B. - braucht man gute sechs Stunden.

      Öffentliche Gebäude, wie z.B. Schulen, bieten ein heruntergekommenes Bild. Bauweise und Fassaden sind nach dem Muster sozialistischer Ästethik - sofern sie es überhaupt gegeben hat - gleich gehalten: grau in grau, verschmutzt. Schmutz auch in Innern der Gebäude, insbesondere in Krankenhäusern, die den Anforderungen einer modernen Medizin absolut nicht entsprechen. Es fehlt an allem. Die Bereitschaft zur Behandlung von Erkrankten steigt mit dem Portemonnaie der Patienten. Es ist trostlos.

      Albanien ist flächenmäßig etwas größer als Sizilien. Es bietet viel Natur: Meer, Tiefebenen, natürliche und künstlich angelegte Seen, Gebirge. Es ist ein schönes Land, doch noch wenig erschlossen. Es hat ungefähr 3,5 Millionen Einwohner. Der ländliche Bevölkerungsanteil ist noch größer als der städtische. Das Bruttosozialbrodukt pro Kopf belief sich Anfang der neunziger Jahre auf US$ 247,B (in Italien US$ 19.930,B). Die Wirtschaft, wie es scheint, spielt sich vor allem auf der Straße ab. Überall wird verkauft und gehandelt, und zwar mit allem, was anzubieten ist, von Nahrungsmittel über Gebrauchsartikel bis hin zu Einrichtungen für Küche und Bad. Geschäfte, wie wir sie in den Städten des Westens kennen, gibt es kaum. Viele Groß- und Schwerindustrieanlagen gleichen Ruinen, dem Raubbau preisgegeben. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, kann irgendwie noch für den privaten Gebrauch verwendet werden. Des Albanesen liebstes Kind ist, wie andernorts auch, das Auto. Das wäre nicht weiter auffallend, wenn es nicht der Typ eines deutschen Nobelwagenherstellers wäre. Natürlich ist es ein Diesel. Es sind Gebrauchtwagen. Man sagt, sie seien allemal Diebesgut. Im Westen geklaut, werden sie zu erschwinglichen Preisen an den Verbraucher weitergegeben.

      Nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Ära bemüht sich Albanien um Demokratie. Eine Regierung ist vorhanden, das freie Wahlrecht gerantiert. Aber wer regiert, weiß niemand. Es sollen die Clans angesehener Familien sein, die nicht selten - oder vielleicht vor allem - in die eigene Tasche wirtschaften. Vielfach ist sich der `kleine MannA seines Lebens nicht sicher, Angst vor Überfällen - vor allem des Nachts - greift um sich. Im Kampf ums Überleben siegt stets der Stärkere oder der, der besser bewaffnet ist.

    • Das Flüchtlingselend und seine Folgen
    • Es muß den Beoabachter schon in großes Staunen versetzen, daß Albanien als dem eigentlichen `Armenhaus EuropasA bereitwillig die Kosovaren albanischer Herkunft aufnimmt. Ursprünglich schauten die Albanesen auf ihre Blutsbrüder im Kosovo mit Neid; denn diesen ging es stets besser als jenen. Das hat sich geändert. Solidarisch und hilfsbereit versucht man der Not Herr zu werden. Doch das ist nicht leicht, und ohne fremde Hilfe überhaupt nicht möglich.

      Dort, wo die Kommunen die Verantwortung für die Betreuung und Versorgung der Flüchtenden haben, herrschen schlimme Zustände. Es fehlt vonseiten des Staates eine zentrale Organisation und Koordination der Hilfsmaßnahmen. Mancher Direktor auf kommunaler Ebene weiß nicht, woher er die einfachsten Dinge des Lebens herholen soll. Er kennt die Hilfswerke aus dem Ausland nicht, weiß nicht, an wen er sich wenden soll, wenn es darum geht, für die kleinen Kinder Windeln zu bekommen oder Milch, für dei Erwachsenen Fleisch und Fisch, um etwas Abwechselung in den Speiseplan zu bekommen. Die Schulen, in denen viele Flüchlinge untergebracht sind, gleichen verdreckten Löchern, die nur spärlichen sanitären Einrichtungen stinken wahrlich zum Himmel. Es fehlen Duschen, Reinigungsmittel, so einfache Dinge wie Seife. Dabei ist alles reichlich vorhanden. Die ausländischen Hilfsorganisationen schleppen Hilfsgüter mehr als nur Tonnenweise heran. Umso pervertierter muß es einem vorkommen, daß für Seife, wenn sie als solche ausgewiesen ist, auch noch Zoll entrichtet werden muß. Es fehlt an technischem Know-how und an technischem Material: Pumpen für das Wasser (nicht nur in den Schulen, auch in den privaten Haushalten), das nur stundenweise zur Verfügung steht; Toilettenwagen oder -häuschen im Freien, Duschen, Möglichkeiten zum Wäschewaschen, Wassertanks. Wohin mit dem Müll? Es ist ein Elend!

      Die Flüchtlinge selbst organisieren sich noch nicht in denen von den kommunen geleiteten Aufnahmelagern. Das liegt auch daran, daß alle hoffen, daß der Krieg im Kosovo schon bald ein Ende finden und die Flüchtlinge in ihre Heimat zurüchkehren könnten. Deshalb sind die Einrichtung der Kommunen für die Flüchtlinge nur Provisorien. Noch wird wenig für die Kinder und Jugendlichen getan. Wohl ist vorgesehen, mit Beginn der Ferien der albanesischen Schüler in den dann leerstehenden Räumen für die Flüchtlingskinder Unterricht zu organisieren, um Unterrichtsausfall durch Intensivprogramme nachzuholen. Insgesamt gesehen aber geschieht für die jüngeren Generationen einfach zu wenig. Sie bleiben sich selbst überlassen. Wer soll das auch organisieren? Es scheint, daß die kommunalen Einrichtungen überfordert sind. Umso wichtiger sind die Kirchen, insbesondere die katholische, und andere religiösen Gemeinschaften, z.B. der Islam.

    • Die Rolle der Hilfsorganisationen
    • Ein guten Beispiel ziviler Hilfsorganisationen bietet in Albanien Italien. Genannt seien hier drei: `ArcobalenoA, `IntersosA und `Protezione civileA. Die Camps, die mir zugänglich waren, zeigen ein beispielhaftes Engagement: in Shengjin ein Flüchtlingslager, das von `IntersosA in Verbindung mit einer Schwesterngemeinschaft geleitet wird, bestens organisisert bis hin zu einer ausgezeichneten medizinischen Betreuung; ebenso in Fishte, einem sehr großen Camp des `Protezione Civile di MilanoA, in einsamer Gegend etwa 30 Kilometer südöstlich von Skutari gelegen, aber mit allem eingerichtet, was der Not im Augenblick irgenwie Abhilfe schaffen kann; in Kukes in der Nähe zur albanesisch-kosovanischen Grenze, wo ebenso der Zivilschutz Italiens eine hervorragende Arbeit leistet. Das ist einfach beeindruckend, wiewohl nicht darüber hinwegtäuschend, daß diese Camps eigentlich nur dem Übergang im Sinne einer Zwischenstation vor der Rückkehr in die Heimat dienen.

    • Das Engagement der Franziskaner
    • Vor allem im nördlichen Albanien sind unsere Brüder auf eine gute Weise engagiert. In Tirana, der Hauptstadt, arbeitet unser Mitbruder Flavio, Guardian und Pastor, eng mit der nationalen Caritas zusammen. Leiter der nationalen Caritas ist Segondo Tejado, ein spanischer Priester. Hier geht es vor allem um die Koordinierung aller Hilfen für die Flüchtlinge. Die täglich ankommenden Hilfsgüter werden in Lagerhallen dortselbst zwischengelagert oder gleich an die diözesanen Caritasverbände weitergeleitet. Die Lager sind gut gefüllt, augenblicklich fehlt es an Nichts. Auch medizinisch ist für alles gesorgt. So können auch kommunale Stellen mit Hilfsgütern versorgt werden.

      Schwierigkeiten gibt es für die Hilfskonvois bisweilen an der Grenze beim Zoll oder beim Löschen von Gütern für die Flüchtlinge im Hafen. Manchmal gehen die Arbeiten nur schleppend voran, bisweilen braucht es Tage. Nicht selten verschwinden auch Hilfsgüter, die man dann am Straßenverkauf wiederfindet, wo sie feilgeboten werden.

      Diese zentrale Koordinierungsstelle der Caritas in Tirana ist von großer Bedeutung. Sie bewirkt, daß die Hilfsgüter gleichmäßig verteilt werden, so daß es kaum vorkommt, daß einige Auffanglager alles, andere aber nur wenig haben. Private Initiativen aus dem Ausland werden deswegen nicht so gern gesehen, weil sie einen Gesamtüberblick für angekommene Hilfe verhindern oder bestimmte örtliche Stellen einseitig begünstigen, was nicht nur zur Verwirrung führt, sondern auch Ärger hervorruft. Das gilt auch für die Freiwilligen, die von überall her anreisen, oft aber nicht wissen, an wen und wohin sie sich wenden sollen und dann irgendetwas tun, was wenig von Nutzen ist. Auch für diese ist eine zentrale Koordinierung notwendig. Bisweilen kommt es vor, daß Freiwillige wenig geeignet sind und die Hilfsmaßnahmen eher behindern als fördern. Das sind Freiwillige, die privat anreisen und nicht über nationale oder internationale Hilfsorganisationen vermittelt sind.

      In Lac sorgen die Mitbrüder gemeinsam mit Schwestern für die Flüchtlinge, die in Schulen oder bei Familien untergebracht sind. Auch hier geht es um die gerechte Verteilung der Hilfsgüter. Viele Flüchtlinge wohnen bei Verwandten in zum Teil sehr engen Wohnverhältnissen. Das kann nicht lange gut gehen. Die Wohnungen sind klein, haben lediglich zwei oder drei Zimmer. Bei fünfzehn bis zwanzig Personen, nur stundenweise Wasser, den Bergen von Wäsche werden die Verhältnisse mit der Zeit unerträglich. Dennoch bemühen sich alle. Es ist erstaunlich ruhig.

      In Rubik in der Nähe zu Lac haben die Brüder eine Pfarrei mit einem großen Terrain. Dieses haben sie der Hilfsorganisation `IntersosA zur Verfügung gestellt, die hier für etwa 500 Personen ein vorbildliches Lager aufgeschlagen haben. Die Kinder besuchen die Schule im Ort gemeinsam mit den Albanesen. Hier wohnen die Flüchtlinge nicht in Zelten, sondern in zurechtgezimmerten Quartieren des Militärs. Für die Hygiene ist ausreichend gesorgt.

      In Lezhe besitzen die Brüder ein wirklich schönes Kloster, nicht sehr groß, das für die Ausbildung von Postulanten und Novizen diente bzw. immer noch dient. Einen Teil des Klostergebäudes haben sie etwa 50 Flüchtlingen zur Verfügung gestellt, die hier in guten Verhältnissen wohnen können. Es ist ein gutes Miteinander.

      In Scutari befindet sich das Provinzialat der Brüder Albaniens. Es erstaunt, wie gut wirklich alles organisiert ist. Alle Hilfsmaßnahmen laufen unter dem gemeinsamen Dach der diözesanen Caritas. Nicht nur die Hilfsgüter, auch die Unterbringung und die Spendengelder werden zentral verwaltet. Diese Verwaltung, im Provinzialat untergebracht, liegt in den Händen unseres Mitbruders Mario, eines Intalieners, der eine gute Hand dafür hat. Über eine Funksprechanlage sind alle Stellen der Stadt, die für die Flüchtlinge sorgen, miteinander verbunden. Provinzial Flavio ist für die Logistik verantwortlich. Ich konnte mich davon überzeugen, daß sich die Schwestern und Brüder bis zum Umfallen engagieren.

      Hier in Scutari wird eine wirklich gute Hilfe geleistet. Dabei scheinen zwei Prinzipien von nicht geringer Bedeutung zu sein: Accoglienza (freundlicher Empfang und Aufnahme) und Flexibilität in der Organisation von Hilfe. Zunächst geht es darum, daß die ankommenden Flüchtlinge ein Dach über dem Kopf haben, daß sie zunächst mit dem Nötigsten (auch medizinisch) versorgt sind, zu essen bekommen, sich waschen und schlafen können. Hierfür haben die Salesianer ihre neu errichtete Schule zu Verfügung gestellt, die Franziskaner einen Teil ihres Internats und eine Sporthalle. Von hier aus (das ist die zweite Etappe des örtlichen Hilfsprogramms) geht es dann nach Tagen oder Wochen in größere Lager. So konnte ich einen Transport begleiten, der von Scutari nach Fishte ging, wo der `Protezione Civile di MilanoA ein hervorragendes Camp für Tausende von Flüchtlingen aufgeschlagen hat. Die Professionalität, mit der hier geholfen wird, ist wirklich vorbildlich. Natürlich ist auch dieses Lager für die Flüchtlinge keine Dauerlösung. So bemüht mann sich in einem dritten Schritt um die Vermittlung der Flüchtlinge in Familien oder andere stabilere Wohnverhältnisse.

      In Maramale, einem Stadtteil von Scutari, wo die Franziskaner eine große Pfarrei betreuen, sind auf dem Pfarrgelände Hunderte von Flüchtlingen untergebracht. Der Leiter dieses Lagers ist ein Jesuit, wiederum Beispiel dafür, daß man hier Hand in Hand zusammenarbeitet. Mit der Hilfe für `Franziskaner für Mittel- und OsteuropaA ist im vergangenen Jahr das Dach des Pfarrzentrums neu gedeckt worden, nicht wissend darum, daß es Monate später dann den Flüchtlingen zugute kommen könnte. Das Gebäude selbst ist allerdings nicht in einem so guten Zustand. Ein angrenzendes Gebäude wird gerade von einer Schweizer Hilfsorganisation sehr aufwendig so eingerichtet, daß die Flüchtlinge auch für länger dort bleiben können: ausreichend große Zimmer, gemeinsame Kochstellen, wo sie sich selbst versorgen können, Duschen und Toiletten, größere Versammlungsräume. Ein Teil der Flüchtlinge lebt in Zelten, doch hat jedes Zelt in einem zentralen Bau eine eigene Toilette mit Dusche zugewiesen bekommen, so daß auch hier für die Hygiene ausreichend gesorgt ist. In einer angrenzenden Aula mit gemeinsamer Küche wird derzeit schichtweise gegessen.

      In Kukes, einer größeren Grenzstadt zwischen Albanien und dem Kosovo, wo die Flüchtlinge zuerst ankommen, sind mehrere große Lager. Ich konnte eins besichtigen. Es ist vom italienischen Zivilschutz und der italienischen Feuerwehr errichtet. Auch hier sind die Franziskaner, wiederum unter dem gemeinsamen Dach der diözesanen Caritas von Scutari, engagiert. Im Lager selbst befindet sich ein Camp-Hospital, das so gut eingerichtet ist, daß selbst größere Operationen durchgeführt werden können. Ich konnte mir alles genau ansehen. Selbst Ärzte aus dem desaströsen Krankenhaus von Kukes kommen, um um Medikamente zu bitten. Es ist einfach alles vorbildlich.

      In diesem großen Lager sorgen die Franziskaner im Verbund mit Schwestern und der Caritas vor allem für Flüchtlinge, die krank oder behindert sind. Sie werden baldmöglichst nach Scutari gebracht, wo ihnen besser geholfen werden kann. Junge Brüder, die noch im Studium sind, machen hier wochenweise Dienst. Es gibt auf dem Gelände des Camps eine Grundschule und einen Kindergarten. Lehrer und Betreuer gehören zu den Flüchtlingen. Die Mittel sind begrenzt, aber die Kleinen haben so die Möglichkeit, sich zu beschäftigen und zumindest für Stunden das Elend zu vergessen.

      An einem zentralen Platz des Lagers ist eine kleine Gebetsstätte eingerichtet. Auf einem kleinen Wagen für die Landwirtschaft liegen unter dem Zelt einer Decke Bibel und Koran. Dieser Wagen macht den Eindruck einer `heiligen LadeA. Jeden Tag versammeln sich Christen und Muslime zu gemeinsamem Gebet. Man liest eine Stelle aus der Bibel und eine Stelle aus dem Koran. Das Gebet der Gläubigen ist oft spontan, erwächst aus dem Kontext ihres elenden Lebens, gibt Kraft und geschwisterliche Gemeinschaft. Interreligiöser Dialog, interreligiöse Gemeinschaft konkret.

      Für die älteren Menschen werden Animationsprogramme durchgeführt. Sie reichen von kleinen praktischen Arbeiten bis hin zur Vermittlung eines friedvollen Umgangs. Man muß bedenken, daß viele Flüchtlinge nicht nur körperlich leiden. Häufig stehen sie unter traumatischen Erlebnissen, die sie seelisch krank machen. Viele Familien haben Tote zu beklagen, viele Familien sind getrennt. In ihrer Verzweiflung kommt es bisweilen zu aggressiven Ausbrüchen. Hier bedarf es einer guten fachlichen Begleitung und menschlicher Nähe. Um all dies bemühen sich unsere Schwestern und Brüder, nicht selten bis hin zu den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Die Kumulierung der Probleme, denen Tag für Tag begegnet werden muß, läßt das Elend zum Himmel schreien. Nicht daß er schweigt, er antwortet in dem selbstlosen Engagement unserer Schwestern und Brüder nicht nur aus der franziskanischen Familie, sondern aus vielen anderen Ordensgemeinschaften und Mitgliedern des Diözesanklerus, vieler freiwilliger Helfer ausländischer Organisationen. Sie alle geben ihr Bestes für die Flüchtlinge, und den Beobachter macht es sprachlos.

    • Was ist im Augenblick zu tun? Was ist not-wendig?
    • Überall war immer wieder zu hören, daß Hilfsgüter im Augenblick ausreichend vorhanden sind. Es steht jedoch zu befürchten an, daß die Menschen im Westen schon bald das Elend vergessen haben werden und sich anderen Dingen zuwenden. Viele in Albanien befürchten, daß sich die Situation im Kosovo noch lange nicht befrieden wird. So wird man sich auf den nächsten Winter wohl einrichten müssen, der das Drama der Flüchtlinge erneut verschärft.

      Nach einem Gespräch mit Provinzial Falvio und Verwaltungschef Mario sind folgende Maßnahme als Soforthilfeprogramm unbedingt notwendig:

    • Anschaffung von mindestens drei Autos (Geländewagen) zum Transport von Hilfsgütern und Flüchtlingen. Die Straßenverhältnisse sind so katastrophal, daß die normale Autos nicht lange durchhalten. Reparaturen sind oft schwierig, weil Ersatzteile fehlen. So sind geeignete Fahrzeuge dringenst notwendig.
    • Das Gemeindezentrum in Maramale in Scutari müßte für den Winter sofort so umgebaut werden, daß die Flüchtlinge dort menschwürdig wirklich leben können. Als Beispiel dient das angrenzende Projekt aus der Schweiz. Für die Umbaumaßnahmen ist ein Bedarf von US$ 200.000,-- nötig. Mit den Arbeiten müßte sofort begonnen werden. Pläne sind vorhanden, ich konnte sie einsehen. Sie bieten das Notwendigste, weitab von jeglichem Luxus. Ein wirklich sinnvolles Projekt.
    • Ebenso sinnvoll ist der Umbau der Palestra auf dem Internatsgelände in Scutari nach ähnlichen Plänen wie in Maramale. Zur Zeit schlafen in der Halle über dreihundert Menschen. Es braucht eine zentrale Küche mit Speisehalle, weitere Duschen und Toiletten. Der freie Platz müßte mit Platten oder Beton ausgelegt werden, damit er bei Regen nicht im Schlamm versinkt. Alles in allem ein Bedarf von US$ 70.000,B.
    • Für die Animation müßten immer wieder finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, insbesondere für die Organisation von Unterricht und Schule sowie für Arbeitsmaßnahmen der erwachsenen Flüchtlinge.
    • Für Hilfegüter in einigen Monaten sollte jetzt vorgesorgt werden, damit sie bei Bedarf entsprechend abgerufen werden können.

      Peter Schorr OFM, Rom (16.05.1999)


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